KATER NICO
Sommerpause. Da gehe ich mal bissel locker in die Historie?! Miau!
Also mir hat ein Oldie-Bürgermeister in historischer Zeit zwei Ordner mit den „Schöneicher Nachrichten“ geschenkt. Zweiter Jahrgang, 1959, Preis 10 Pf., so gings im Ordner los. Herausgegeben von der Nationalen Front Schöneiche. Da waren alle Parteien, Vereine und Bünde drin, die es im Ort gab. Die Redaktionskommission in den 6Oern – waren 7 Leute – z.B. auch Otto Häuser (Ottokar Domma!) – und die bewegten sich jeweils mit Kateraugen monatlich durch den Ort. Das „letzte Blättchen“, 33. Jahrgang, Dezember 1990, kostete nun schon 30 Pf. Die meisten Gespräche mit Nico in den Sechzigern führte I.K. (Inge Kertzscher)… Einige solch uralter, gar nicht so fremder Pläusche zwischen den beiden:
Nico hat verbundene Vorderpfötchen und einen lädierten Schnurrbart. Auf meine erstaunten Augen hin schüttelte er nur traurig seinen kleinen Katzenkopf und murmelte: „Die Radfahrer!“ Ich war natürlich hell empört und um seinen Kummer etwas lindern zu helfen, schimpfte ich kräftig auf die Raserei der Radfahrer und die fehlenden oder wenig gepflegten Radfahrwege. „Aber Vorsicht Nicolein, nicht gleich von der Gartentür auf den Fahrdamm springen!“ „Ich bin durch die Gartentür, wie ein gesitteter Bürger auf den Bürgersteig getreten“, erwiderte er patzig, „da zischte es schon an mir vorbei“….
„Tschüss“, sagte Nico, „ich gehe heute zum Schlafen in den Wald“. Warnung, dass es zu kalt ist auf dem Boden. „Ach was“, sagte Nico, „da liegen doch Matratzen, die sind nur ein bißchen zerlumpt, aber zum Schlafen gehen sie noch.“ „Ich fürchte, die liegen dort nicht zum Schlafen im Wald. Die wollte man ganz einfach loswerden.“ „Wo denkst du hin, da müssen sogar sehr viele draußen leben. Überall findet man so eine Art Campingplätze mit alten Kochtöpfen, Blechbüchsen und so“. „Mein lieber Nico, leider sind das nur ganz gewöhnliche Schuttabladeplätze der Menschen“….
„Kuhnes Eiseck – sollte das nicht schon am 1.Mai eröffnet sein?“ „Sei nicht kleinlich Nico – elf Tage Verzug. Die Otto-Schröder-Straße wurde vor Monaten aufgerissen, und im Frühjahr sollte sollte alles wieder in Ordnung sein. Bloß auf die Jahreszahl hat sich anscheinend keiner festgelegt. Da lob ich mir doch die elf Tage Verzug.“ ….
„Wieso warst du zwei Stunden weg, obwohl der Konsum gleich gegenüber liegt?“ „Nico, dafür kann ich nichts,“ antwortete ich völlig kaputt. „War’s so voll?“ „Ach was! An der Tür baumelte ein Schild mit den Worten: Komme gleich wieder.“….
„Ich denk doch, mich hackt der Hahn! Da kommt mir doch eine allerliebste Katzendame entgegen. Bist du nicht der Kater Nico? Geschmeichelt nicke ich. Sagt sie: Ich wollte dich schon immer fragen, wenn du der Kater Nico bist, ob du der Erfinder von Nikotin bist? Und das mir, einem modernen Anti-Raucher!“….
Liebevolles Miauen für meinen neunzehnhundertsechziger Jahre Großvater Nico!!
Ihre Miau-Journaille

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