ARTIKEL | Am 19. Dezember 2025 fand erneut die Weihnukkah Feier des Vereins Schtetl in der Kulturgießerei statt. Neben kulinarischen Highlights aus der Osteuropäischen und Jüdischen Küche wurde Musikalisch erst von Roksana Vikaluk und zum Abend von der dreiköpfigen Berliner Klezmer Band Apparatschick aufgetischt.
Während der Laudatio wurden die Ehepaare Küstner und Dehmel für ihre umfangreiche und tatkräfige Integrationsarbeit von Anna Kruse im Namen des Bündnis für Demokratie und Toleranz Schöneiche ausgezeichnet. Es wurden Blumen und Geschenke an Dehmels und Dr. Herbert Küstner überreicht. Beate Küstner starb leider bereits vor vielen Jahren.

Laudatio:
Dank an Küstners und Dehmels für die treue Begleitung
Am heutigen Abend wollen wir einmal kurz innehalten und uns daran erinnern, wie viele Jahre wir schon hier in Schöneiche zusammen leben und uns gegenseitig einladen, Anteil an unserem jeweiligen Leben und unseren Geschichten und Traditionen zu nehmen.
Dabei wollen wir uns bei einigen Menschen bedanken, die – neben vielen anderen – in besonderer Weise dieses Zusammenleben gefördert und gestärkt und solche Höhepunkte, wie die Chanukka- oder Weihnukka-feiern Jahr um Jahr mit unseren jüdischen Nachbarinnen und Nachbarn vorbereitet und mitgestaltet haben.
Als 1997 jüdische Flüchtlinge aus den ehemaligen GUS-Staaten nach Schöneiche kamen, war es Frau Beate Küstner, die als Heimleiterin des Übergangswohnheimes in der ehemaligen Volkspolizeischule im Bunzelweg den Angekommenen mit Rat und Tat zur Seite stand und ihnen den Weg in einen neuen Lebensabschnitt erleichterte. Sie gründete ein Netzwerk von Hilfsangeboten, eine Telefonkette und knüpfte Kontakte zu Behörden, jüdischen Gemeinden und Einwohnerinnen und Einwohnern von Schöneiche. Dabei wurde sie immer von ihrem Mann Dr. Herbert Küstner unterstützt und fand in Dr. Irene und Peter Dehmel treue Mitstreiter, die unermüdliche Dolmetscher und Begleiter wurden.
Ein wichtiges Anliegen war Frau Beate Küstner, dass die Menschen jüdische Traditionen und religiöse Feste (wieder)-entdecken und feiern konnten. Sie schöpfte dabei aus ihrem Wissensschatz aus ihrem fundierten Konfirmandenunterricht und holte die richtigen Leute nach Schöneiche. Als Mitglied der Evangelischen Kirchengemeinde initiierte sie auch dahin Begegnungen und fand Verbündete.
2001 wurde bei der Chanukkafeier im Saal der Pflegeeinrichtung in der Hannestr. der Integrationsverein Schtetl gegründet, mit dem die Migranten auf das Willkommen in Schöneiche reagierten und der bis heute das Vereinsleben in unserem Ort bereichert.
Das Chanukkafest war in den nun fast 30 Jahren wohl das bekannteste der jüdischen Jahresfeste, die wir gemeinsam begingen. Und im Jahr 2008 wurde es als Weihnukka zusammen mit der Evangelischen Kirchengemeinde in der Kapelle Fichtenau gefeiert.
Unvergesslich war dabei die Solidarität vieler Schöneicher Nachbarinnen und Gewerbetreibender, die die Veranstaltung vor Störungen durch NPD-Mitglieder abschirmten.
Jahr für Jahr bereiten Maria Tsytkina-Milmeyster und ihr Mann Michail zusammen mit dem vertrauten und bewährten Ensemble auf der Bühne und in Küche und Saal Chanukka vor und machen es zu einem unvergesslichen leuchtenden Abend in der dunklen Winterzeit.
Mit von der Partie sind immer Dr. Herbert Küstner, der seit vielen Jahren in Leipzig wohnt und doch immer extra angereist kommt und Dr. Irene und Peter Dehmel, die quasi als Schirmherrschaften das Fest eröffnen und unseren jüdischen Freundinnen und Freunden danken.
Dehmels haben in den letzten zehn Jahren mehrere tschetschenische Familien und Einzelpersonen im Ort betreut. Mit einer Familie, die früher in einer Notunterkunft in Schöneiche gewohnt hat und heute in Eisenhüttenstadt lebt, sind sie bis heute in Kontakt .Sie haben sowohl Übersetzungen für das Asylverfahren vorgenommen, als auch bei Einschulungen, Anmeldungen in KiTas, Behördengängen sowie anderen Herausforderungen des Alltags geholfen. Hervorzuheben ist, dass sie den Familien immer auf Augenhöhe und mit viel Herz zur Seite standen.
Heute sollen es einmal sie, Herr Küstner und die Eheleute Dehmel sein, bei denen wir uns nach all den Jahren bedanken wollen!
Und wir denken herzlich an Beate Küstner, die vor 15 Jahren in Leipzig verstorben ist. Diese Erinnerung ist uns wichtig.

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